Monday, February 26, 2007

Sie bewirken was


Das „Rädchengefühl ist es, so vermute ich, das heute viele Leute unglücklich und unzufrieden macht. Mir ist klar, dass das ökonomische Ambiente für Altruismus im Augenblick nicht besonders günstig ist; es gibt schon eine starke Tendenz des An-sich-selbst-Denkens und auch eine gewisse Herablassung gegenüber traditionellen Formen der Solidarität. Was für ein Blödsinn!



Ich hatte vor einiger Zeit ein Erlebnis, das mir Mut gemacht hat: Mein Mann und ich segelten mit einer Jolle auf dem Wannsee. Es war schauderhaftes Wetter, wir hätten es wahrscheinlich lieber lassen sollen, und natürlich kenterten wir. Wir waren nicht in Lebensgefahr, aber doch in einer sehr misslichen Lage. Binnen Minuten wurden wir von der Besatzung eines Bootes der DRK-Wasserwacht gerettet: jungen Leuten, die am Wochenende freiwillig Dienst tun, Badeaufsicht machen, Kindern schwimmen beibringen und eben glücklosen Seglern helfen. Sie richteten unser Boot auf, pumpten es leer, gaben und trockene Kleidung und warme Suppe.Einer der jungen Männer war Student an der Viadrina und fand es ziemlich lustig, seine triefende Präsidentin aus dem Wasser zu ziehen. Was ich sagen will ist dies: Diese jungen Leute bekommen nichts dafür, sie machen ihre Arbeit nicht für Geld, sie tun einfach etwas für andere – und haben Spaß dabei. Sicherlich liegen sie auch gelegentlich auf dem Steg, um braun zu werden. Warum nicht? Wichtig ist: Sie bewirken etwas. Es bedeutet für die Gesellschaft einen Unterschied, ob sie da sind oder nicht. Ich glaube, dass wir unendlich viele Möglichkeiten haben, mit unserem Handeln solche Unterschiede herbeizuführen. Und kein Prophet der modernen Konkurrenzgesellschaft soll mir erzählen, wir seinen glücklicher, wenn wir uns nur um uns selbst kümmern.(Gesine Schwan, Präsidentin der Europa-Universität Viadrina; aus: Reader’s Digest, März 07)

Friday, February 16, 2007

UNICEF-Bericht

» Benachteiligten Kindern Perspektiven eröffnen / Caritas sieht eigenen Ansatz durch UNICEF-Studie bestätigtDeutscher Caritasverband e.V.
(Verbandspresse, 14.02.2007 15:55)
(Berlin) - Die heute (14. Februar 2007) in Berlin vorgestellte Studie des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen UNICEF bestätigt die Erfahrungen des Deutschen Caritasverbandes (DCV). "Erneut zeigt eine Studie, dass eine dramatisch große Zahl von Kindern arm in einem reichen Land wie Deutschland lebt. Das kann einfach nicht hingenommen werden" fordert Caritas-Präsident Peter Neher.Armut wirke sich gravierend auf die Entwicklung und die Chancen dieser Kinder aus. "Das Ernährungsverhalten, die gesundheitliche Situation und nicht zuletzt die schulischen Möglichkeiten sind bei Kindern und Jugendlichen aus armen Familien stark beeinträchtigt" so Neher. Dies habe die Caritas veranlasst, in diesem Jahr mit ihrer Kampagne "Mach dich stark für starke Kinder" das öffentliche Bewusstsein für diese alarmierende Situation zu schärfen. "Jedes Kind hat Fähigkeiten. Wir wollen dazu beitragen, dass auch diese Kinder ihre Stärken entdecken und entwickeln können."Die UNICEF-Studie zeige deutlich, dass das Fehlen einer verlässlichen Lebensumwelt gravierende Nachteile für die Entwicklung und die Möglichkeiten der Teilhabe für Kinder bedeute. Dies gelte im Besonderen für bildungsferne Familien mit niedrigen Einkommen und Familien mit Migrationshintergrund. "Patenschaftsprojekte, Familien entlastende Angebote und Begleitung im Schulalltag tragen beispielsweise dazu bei, dass verlässliche und stabile Verhältnisse für diese Kinder aufgebaut werden können." Dies sei unerlässlich, um den betroffenen Kindern eine wirkliche Chance auf Teilhabe am Leben in der Gesellschaft zu ermöglichen. "Keine Gesellschaft kann es sich leisten "ihre" Kinder zu vernachlässigen. Hier zeigt sich die Zukunftsfähigkeit einer Gesellschaft" so Peter Neher.
Quelle/Kontaktadresse:Deutscher Caritasverband e.V.Claudia Beck, PressesprecherinReinhardtstraße 1310117 BerlinTel.: 030 28 44 47 42Fax: 030 28 44 47 55
eMail: pressestelle@caritas.deInternet: http://www.caritas.de

Thursday, February 08, 2007

Oberschöneweide oder Oberschweineöde





















Sehr geehrter Herr Schupelius,
sehr geehrte Damen und Herren,
seit vier Jahren sind wir mit dem Father’s House in Berlin-Oberschöneweide, Wilhelminenhofstr. 44 A/44 B ansässig. Das Father’s House ist Anlaufpunkt und Aufenthaltsort als offene Begegnungsstätte für Kinder und Jugendliche aus dem Bezirk.Den Artikel „Berlins traurigste Straße“ und den Kommentar „Oberschöneweide darf nichtuntergehen“ haben wir mit Interesse gelesen und haben sie als Gelegenheit genutzt, die Jugendlichen aus dem Father’s House nach zehn guten Gründen zu fragen, in Oberschöneweide (OSW) zu leben. Hier ist das Ergebnis:
Es gibt in OSW viele Schulen mit kleinen Klassen
Es gibt in OSW viele große Spielplätze, Bolzplätze und ParksDie Wuhlheide ist gleich um die Ecke, dort ist das FEZ und es gibt eine gute BMX-Bahn
Die Spree ist vor der Tür, dort kann man wild baden
Es gibt in OSW große Flächen für GraffitiEs gibt in OSW viele Kinder- und Jugendclubs für jedes Alter
Die Spreehöfe sind cool restauriert und es gibt Bowlingbahnen, Diskos, KinosKletterwände u.a.
Es gibt zwei Schwimmhallen, ein Licht- und Luftbad und einen BadeseeAlle unsere Freunde und viele nette Menschen leben hier
Es gibt jede Menge Imbissläden und preiswerte Restaurants und gute Einkaufsmöglichkeiten.

Die allgemeine Stimmung unter den Befragten ließ sich so zusammenfassen: „In OSW lebe ich gerne, weil’s hier geil ist.“
Falls Sie nach alledem noch nicht beschlossen haben, nach OSW umzuziehen, möchten Sie vielleicht einen neuen Bericht über den Bezirk schreiben. Wenn dafür sachkundige ein-heimische Führer gebraucht werden, wenden Sie sich vertrauensvoll an uns.

Mit freundlichen Grüßen

Manfred von Beinen