Sie bewirken was

Ich hatte vor einiger Zeit ein Erlebnis, das mir Mut gemacht hat: Mein Mann und ich segelten mit einer Jolle auf dem Wannsee. Es war schauderhaftes Wetter, wir hätten es wahrscheinlich lieber lassen sollen, und natürlich kenterten wir. Wir waren nicht in Lebensgefahr, aber doch in einer sehr misslichen Lage. Binnen Minuten wurden wir von der Besatzung eines Bootes der DRK-Wasserwacht gerettet: jungen Leuten, die am Wochenende freiwillig Dienst tun, Badeaufsicht machen, Kindern schwimmen beibringen und eben glücklosen Seglern helfen. Sie richteten unser Boot auf, pumpten es leer, gaben und trockene Kleidung und warme Suppe.Einer der jungen Männer war Student an der Viadrina und fand es ziemlich lustig, seine triefende Präsidentin aus dem Wasser zu ziehen. Was ich sagen will ist dies: Diese jungen Leute bekommen nichts dafür, sie machen ihre Arbeit nicht für Geld, sie tun einfach etwas für andere – und haben Spaß dabei. Sicherlich liegen sie auch gelegentlich auf dem Steg, um braun zu werden. Warum nicht? Wichtig ist: Sie bewirken etwas. Es bedeutet für die Gesellschaft einen Unterschied, ob sie da sind oder nicht. Ich glaube, dass wir unendlich viele Möglichkeiten haben, mit unserem Handeln solche Unterschiede herbeizuführen. Und kein Prophet der modernen Konkurrenzgesellschaft soll mir erzählen, wir seinen glücklicher, wenn wir uns nur um uns selbst kümmern.(Gesine Schwan, Präsidentin der Europa-Universität Viadrina; aus: Reader’s Digest, März 07)



