Sunday, October 22, 2006


Das kleine Zitat

"Wir wissen alle, dass Fernsehen dick, dumm, traurig
und gewalttätig macht."

(Ministerin von der Leyen bei
Maybrit Illner)
Man soll halt keine Talksendungen gucken.

Saturday, October 21, 2006







Action-Painting im Father's House

Achtung! Künstler am Werk! Da wird Farbe gerollt und gespritzt, gekreiselt und getropft, dass es eine Art hat. Wer zu dicht dran ist, kriegt seinen Teil ab.

Erstaunlich sind die Ergebnisse dieser Malaktion, die unter fachkundliger Anleitung des Malers und Dipl.Sozialädagogen Pilz im Father's House in den Herbstferien stattfand.
Es hat allen richtig Spaß gemacht. Vielleicht gibt es dem nächst eine Ausstellung, mit Vernissage und Finisage und allem was dazu gehört. Was meint Ihr?




















Endlich ist sie da, die neue Küche.
Dank freundlicher Spender und Dank des Entgegenkommens eines namhafen Küchenstudios konnte die langersehnte Küche angeschafft werden. Bald kann die "Versuchsküche" eröffnet und leckere warme Mahlzeiten serviert werden.
Nur aufbauen müssen wir alles selber. Kein Problem für geübte Handwerker, wie man sehen kann.

Friday, October 20, 2006

Ein unerhörter Schrei nach Sinn

Der Amoklauf ist nur der extremste Ausdruck einer verbreiteten, ungezügelten Wut, sei es auf der Autobahn, am Arbeitsplatz, in der Schule, zu Hause oder auf dem Parkplatz ... unser Erziehungssystem versagt und lässt die jungen Leute entfremdet und niedergeschlagen im Regen stehen." (Alex Pattakos, Gefangene unserer Gedanken)

Klack,klack, klack. Wieder und wieder hämmert die leere Coladose auf den abgewetzten Holzrahmen des Kinderbettes. Klack, klack, klack. 'Scheiße, Scheiße, Scheiße' tickt es in seinem Kopf. Klack, klack, klack. Es ist eine dunkle Wut in ihm, ein rauchender Zorn, der drängt und drückt, der ihn nachts kaum schlafen läßt. Er möchte die Gardinen vom Fenster reißen und die Möbel zertrümmern. Er möchte Superkräfte haben und den Stadtteil planieren, in dem er lebt. Er möchte rappen wie Bushido und Schurken umbrinben wie Vin Diesel. Er möchte ein Auto mit Lachgaseinspritzung, mit dem er allen und allem davon fahren kann. Er will Sieger sein, er will die Macht. Aber was kann er schon tun? Er ist erst vierzehn.

Was wird er tun, der Junge mit der Topffrisur? Mit ein paar Kumpels losziehen und Fremde verprügeln? Einen kleinen Bandenkrieg vom Zaun brechen? Amoklaufen oder nur seine Mutter beschimpfen oder einen Lehrer fertig machen? Schwer zu entscheiden, stimmt's? Man möchte so gerne, dass er das Gute wählt. Dass er sich für sinnvolle Werte und Ziele engagiert. Dass er doch wenigstens seinen Hauptschulabschluss macht oder endlich mal seine Hausaufgaben, was das betrifft. Aber warum sollte er?

"Jeder ist ein Leonardo das Vinci. Das Problem ist nur, dass es nicht jeder weiß. Die Eltern wissen es nicht, sie behandeln einen nicht wie Leonardo und deswegen wird man nicht wie Leonardo. Das ist die Basis meiner Überzeugungen." Der Mann, der das gesagt hat, heißt Skalleberg und ist der Gründer des Unternehmens Skaltek, welches seit dreißig Jahren besteht und auf seinem Sektor Weltberühmtheit erlangt hat. Woher weiß Skalleberg, dass jeder ein Leonardo ist und er selber im Besonderen?

Unser Junge weiß nur, dass er ein Arsch ist und lästig wie ein Pickel auf dem selben. Das sagt ihm sein Erzeuger, der freiwillig nicht einmal Unterhalt zahlen will. Er weiß, dass er keine Chance hat. Das hört er jeden Tag. Keine Perspektive, keine Lehrstelle in Aussicht, keine Arbeit, kein Geld, kein Leben. Das liest er in jeder Zeitung, die draußen am Kiosk hängen. Und dass er Werte braucht liest er auch.
Niemand hat ihm je gesagt, dass er wertvoll ist und dass sein Leben zählt. Die Politiker werten ihn zur Unterschicht, die Soziologen bewerten ihn und seinesgleichen als "Prekariat". Das Wort hat er bei Wikipedia nachgeschlagen. Er hat verstanden, dass er auf der Kippe steht und dass die Wippe sich bewegt.
Leonardo auf der Elendsschaukel . Auf welcher Seite wird er landen?

Der Junge wirf die Blechdose in die Ecke. "Wolfi, wo bist du denn?" Seine Mutter, schrill wie so oft. Hastig stößt sie die angelehnte Tür auf, den linken Arm schon im Mantelärmel. Sie stutzt einen Moment als sie ihren Sohn auf seinem Bett sitzen sieht. "Du bist traurig. Können wir später darüber reden? Ich muss los, sonst kriege ich die Tram zur Spätschicht nicht mehr. Bringst du den Müll runter? Der Eimer quillt schon wieder über, ich schaffe das nicht mehr. Sei lieb, ja? Bist doch mein Großer." Und weg ist sie. "Na ja, mein Großer, warum nicht mal den Musterknaben spielen" sagt Wolfi Leonardo zu sich selber und macht sich auf den Weg zur Küche.

Gerade noch mal gut gegangen. Für heute jedenfalls.