Monday, December 18, 2006

Ins Gespräch kommen, im Gespräch bleiben




"Für Sprachpuristen sind harte Zeiten angebrochen. Denn nach der "political correctness" geht es nun der "linguistic correctness" an den Kragen. Was an der Peripherie der großen Industriestaaten, in den ehemaligen Kolonien, längst Realität ist, hat nun auch das Zentrum, die Metropolen des Westens, eingeholt: Wir werden Ohrenzeugen einer Kreolisierung der Sprache, der Auflösung einer homogenen Sprachordnung in einem flukturierenden Sprachengemisch. Man braucht nur ein wenig die jugendlichen Kommunikationspraktiken auf Schulhöfen, an Imbissständen, in Diskotheken oder S-Bahnen zu belauschen, und man erhält einen sinnlichen Eindruck jener zwei dominanten Sprechstile, die zum führenden Jugend-Soziolekt aufgestiegen sind: Es triumphieren der Balkan-Slang und das gebrochene Türken-Deutsch. Jugendliche schlüpfen in die Rolle des "Ethno-Prolls" (Feridun Zaimoglu) und bedienen sich des harten, proletkultischen Balkan-Slangs, jener Mixtur aus inszeniert monotonem Tonfall, verfremdeten Vokalen, rollendem "R" und vereinfachtem Satzbau. Sie alle kultivieren in den schillerndsten Varianten einen grammatischen Anarchismus, der alle syntaktischen und semantischen Regeln aus den Angeln hebt."
Soweit ein Zitat aus der Zeitschrift "Freitag" (http://www.freitag.de/2000/22/00221302.htm). Das ist vielleicht gar nicht so schlimm, könnte man meinen, die Jugend hatte schon immer eine eigene Sprache. Allerdings ist der Pisa-Studie zu entnehmen, dass viele Jugendliche gerade in kommunikativen Fähigkeiten starke Mängel zeigen. Sich vernünftig und verständlich (möglichst in ganzen Sätzen) ausdrücken zu können, die freie Rede auch im kleinen Rahmen zu beherrschen, ist eine der wesentlichsten Voraussetzungen, um persönliche Ziele zu erreichen, Erfolg zu haben und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.
Im Father's House werden daher ab Januar 2007 Dialog- und Rhetorik-Trainings für Jugendliche angeboten. Es soll gelernt werden, natürlich aufzutreten, Zusammenhänge schneller zu erfassen und neben dem coolen Jugendslang klar und deutlich zu formulieren. Durch das Training wird sich auch die Konzentrationsfähigkeit der Teilnehmer erhöhen. Wir erwarten, dass sich die Chancen der Jugendlichen, ein gutes Referat in der Schule zu halten oder ein Bewerbungsgespräch erfolgreich durchzustehen, erheblich verbessern werden.


Schreiben wird dann das nächste Projekt

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